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In der Antike gab es sehr eindeutige Erklärungen dazu, woher die Pflanzen, Tiere und auch der Mensch gekommen waren: die Götter hatten sie erschaffen und zwar in der Form, in der sie hier und heute zu beobachten waren. Zahlreiche Schöpfungsmythen sprachen von verschiedenen Ursprüngen des Lebens aus den Elementen oder den Körpern der Götter, aber in jedem Fall war es klar, dass die Welt ein Werk der höheren Mächte und als solches gleich vollständig und im Weiteren unveränderlich war.
Diese Theorie von der Unverändlichkeit der Arten blieb über Jahrtausende hinweg die einzige Wahrheit. Zwar fand man Fossilien ausgestorbener Tiere, doch wurden diese nicht als Vorläufer heutiger Arten angesehen, sondern als unabhängige Arten, die im Laufe der Erdgeschichte durch periodische, große Naturkatastrophen komplett ausgelöscht wurden - auch hier bot die Bibel mit den Berichten der Sintflut und den durch Noah auf der Arche geretteten Tieren einen Anhaltspunkt. Nach jeder solchen Katastrophe würden neue Lebensformen erscheinen, die sich von den vorher existierenden vollständig unterschieden. Ein Vertreter dieser "Katastrophentheorie" war der französische Biologe Georges Leopold Cuvier (1769 - 1832). Obschon er als Palänthologe gewissenhaft Fossilien untersucht und erkannt hatte, dass die Tiere der Urzeit ganz andere Merkmale als die heutigen aufweisen konnten, kam er nicht auf die Idee einer Evolution, vermutlich nicht zuletzt aufgrund von religiösen Überzeugungen. Seiner Ansicht nach waren die Fossilien Überreste von vier großen Katastrophen der Vergangenheit. Die Schöpfungsgeschichte der Bibel würde erst am Ende der letzten Katastrophe einsetzen, als Gott neue Arten erschuf. Auf diese Weise konnte auch der Konflikt umgangen werden, dass Geologen aufgrund von Erosionsprozessen das Alter der Erde viel höher einschätzten, als es in der Bibel angegeben war. Selbst der berühmte Naturforscher Carl von Linné (1707-1778) behauptete noch: "Es gibt so viele Arten, wie das Unendliche Wesen im Anfang geschaffen hat." |